Multiparametrische MRT der Prostata/ MR- Prostatografie

Das Prostatakarzinom (PCa) ist in Deutschland mit mehr als 25% die häufigste diagnostizierte Krebserkrankung beim Mann.

Jährlich erkranken in der BRD ca. 60.000 Männer neu an diesem Tumor. 40% der Männer tragen das Risiko, im Verlauf des Lebens am PCa zu erkranken, ca. 10% entwickeln Symptome, 3% versterben am PCa (somit sechsthäufige Todesursache beim Mann).

 

Wie kann ein Prostatakarzinom erkannt werden?

Bis vor kurzem beruhte die Diagnostik auf der Messung des Prostataspezifischen Antigens im Blutserum (PSA-Wert), auf der digitalen rektalen Untersuchung, der Ultraschalluntersuchung durch das Rektum und der systematischen Stanzbiopsie (Gewebeentnahme) unter Ultraschallkontrolle. Der PSA-Wert kann bei verschiedenen gutartigen Veränderungen und beim Karzinom der Prostata erhöht sein, ist also unspezifisch, und die Ultraschalluntersuchung kann einen bösartigen Herd nicht sicher von den häufigen gutartigen,knotigen Altersveränderungen der Prostata unterscheiden.

 

Vor einigen Jahren wurde mit der multiparametrischen MRT der Prostata (mp-MRT Prostata oder MR-Prostatografie) eine neue bildgebende Methode in der Prostatadiagnostik entwickelt. Die MR-Prostatografie ist wie kein anderer Test geeignet, einen bösartigen Tumor als Ursache für einen erhöhten PSA-Wert zu erkennen oder auszuschließen, ihn von gutartigen Veränderungen zu differenzieren und somit unnötige Stanzbiopsien der Prostata zu reduzieren.

Die endgültige Diagnosestellung und die Beurteilung des Grades der Bösartigkeit eines PCa war und ist weiterhin nur durch feingewebliche Untersuchung bioptisch gewonnenen Materials möglich.

 

Welche Bedingungen sind für eine effektive Diagnostik zu erfüllen?

Unabdingbar ist der Einsatz eines hochmodernen und leistungsstarken MRT-Gerätes und optimaler Messsequenzen, die Anwendung international festgelegter Kriterien bei der Beurteilung der erzeugten Bilder (sog. PI-RADS-Kriterien), die Erfahrung des befundenden Radiologen mit der Methode und die Zusammenarbeit mit den behandelnden Urologen sowie mit den Kliniken, in denen Gewebsentnahme und/oder die Behandlung vorgenommen wird.

 

Diese Voraussetzungen sind mit der Installation eines 1,5-Tesla-MRTs der neuesten Generation, der ständigen ärztlichen Fortbildung auf dem Gebiet der Prostata-MRT, der langjährigen Durchführung (seit ca. 10 Jahren) etlicher hunderter Prostata-MRTs und der Zertifizierung durch die Deutsche Röntgengesellschaft in meiner Praxis gegeben.

 

Für wen ist die MR-Prostatographie empfehlenswert?

Patienten mit unklarem Befund im Ultraschall oder bei der rektalen Untersuchung sowie Patienten mit steigendem oder erhöhtem PSA-Wert werden vom Urologen am häufigsten überwiesen. Des weiteren wird die Prostata-MRT durchgeführt, wenn trotz vorangegangener Punktion ohne Tumornachweis weiter ein Tumorverdacht besteht.

Doch auch ohne auf ein Tumorgeschehen hinweisende Vorgeschichte, im Rahmen eines Screenings, kann die Prostata-MRT eingesetzt werden. Hierbei ist zu beachten, dass die Erkrankungshäufigkeit mit dem Lebensalter zunimmt (insbesondere ab dem 60. Lebensjahr) und dass auch eine nicht vergrößerte Prostata ohne Auffälligkeiten im Ultraschallbild ein Karzinom tragen kann.  Die Prostata-MRT ist bei der Erkennung eines Prostatakarzinoms allen anderen diagnostischen Methoden überlegen und mit Abstand das beste Werkzeug, über das wir heute diesbezüglich verfügen.

Männern mit familiärer Vorbelastung durch ein Prostata-Ca wird eine urologische Diagnostik (aus der sich unter Umständen die Indikation für eine Prostata-MRT ergibt) ab dem 40. Lebensjahr, sonst ab dem 45. Lebensjahr empfohlen.

 

Wie läuft die Untersuchung ab?

Nach aufklärendem Gespräch und nach gründlicher Entleerung von Blase und Darm erfolgt die Lagerung im MRT-Gerät (Füße voran, Kopf bleibt außerhalb der Röhre). Es wird ein venöser Zugang in eine Armvene gelegt (die Untersuchung erfolgt immer mit Kontrastmittel. Vor Beginn wird zudem ein Medikament gespritzt, welches die störenden Bewegungen der Darmschlingen im Becken reduziert.) Es werden ca. 10 verschiedene Messsequenzen angefertigt, insgesamt dauert die Untersuchung ca. 25-30 Minuten. Im Anschluß erfolgt die Auswertung durch den befundenden Radiologen. Diese ist zeitaufwändig - es sind weit mehr als 1000 Bilder gründlich zu betrachten. Die Bilder werden dem Patienten erklärt, es erfolgt eine erste Einschätzung. Der Patient erhält eine CD mit den angefertigten Bildern. Der nach den vorgegebenen Kriterien strukturierte Befund geht dem Zuweiser (oder dem Patienten) am selben Tag zu. Im Falle einer Tumordiagnose und einer Gewebeentnahme wird der histologische Befund von der Praxis erfragt und das Ergebnis der MRT somit validiert.

 

Was geschieht nach der Prostata-MRT?

Im Falle eines hochgradigen Tumorverdachtes erfolgt meist eine gezielte Gewebeentnahme unter Verwendung der im MRT gewonnenen Informationen zur Lage und zur Ausdehnung des Befundes, häufig als sog. Fusions-Biopsie. Auch ein abwartendes Vorgehen und die Verlaufskontrolle verdächtiger Prostatabefunde sind möglich.

 

Ist die Prostata-MRT eine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung?

Nein. Sie ist nicht Bestandteil deren Leistungskataloges. Die Kosten können jedoch auf Antrag im Einzelfall von Ihrer Kasse übernommen werden. Private Krankenversicherer erstatten die Kosten der Untersuchung. Sie liegen - je nach Menge des verabreichten Kontrastmittels (nach Körpergewicht)- um die 800€.